Die Schönheit von LaTeX

Warum man LaTeX verwenden sollte

Mit welchem Programm schreibt man eigentlich wissenschaftliche Texte?

Viele mögen jetzt denken:

Ich schreibe alles mit Word. Meine Texte, mein Tagebuch, meine Kochrezepte, meine Plakate und Briefe. Ich mache auch meine Grafiken in Word. Seit wann gibt es da Alternativen?

Es gibt neben Microsoft Word zahlreiche weitere Textverarbeitungsprogramme, die man für die oben genannten Aufgaben verwenden kann: Libre Office Writer, Apple Pages, selbst Texteditoren wie Sublime eignen sich dafür. Aber auch wenn diese Programme zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten genutzt werden können, heißt das nicht, dass sie dafür auch wirklich geeignet sind.

Das Programm schlecht hin für das Schreiben und Formatieren wissenschaftlicher Texte ist LaTeX. Während in den Naturwissenschaften und den technischen Wissenschaften LaTeX nicht mehr wegzudenken ist (was unter anderem mit der einfachen Integration von Formeln im Text zu tun hat), schwanken die Sozial- und Geisteswissenschaften in Bezug auf LaTeX immer noch zwischen offener Ablehnung und Ignoranz.

Die Vorteile ...

Dabei hat LaTeX gegenüber konventionellen Schriftsatz- (zB Indesign) und Textverarbeitungsprogrammen (zb Word) vier herausragende Vorteile:

  1. LaTeX ist open source und plattformunabhängig. Das heißt, LaTeX ist kostenlos verfügbar und sowohl auf Microsoft Windows, Apple Max OSX als auch unterschiedlichsten Linux Distributionen verwendbar.
  2. LaTeX ist extrem stabil und kann aufgrund seiner Architektur auch überaus lange Texten mit vielen Quellenbelegen rasch verarbeiten.
  3. Das Schreiben mit LaTeX zwingt Autoren, sich gezielt Gedanken über die Struktur eines Textes zu machen. Durch die Verwendung von LaTeX werden Texte damit automatisch strukturierter und besser lesbar.
  4. Da LaTeX die graphischen Vorlagen für unterschiedliche Textsorten nach den Prinzipien professioneller Textsetzer gestaltet hat, müssen sich Autoren keine großen Gedanken über Formatierungsfragen machen, sondern können ihren Fokus vollkommen auf den Inhalt und nicht die Form ihres Textes legen. LaTeX ist daher nicht nur ein professionelles Textverarbeitungs- sondern auch Textsetzungsprogramm. Das Ergebnis von in LaTeX geschriebene Texten ist daher ein höchst professionell gestaltetes und wunderschön anzuschauendes PDF. Dieses PDF zeichnet sich zudem noch durch seine kleine Dateigröße aus und kann auf allen stationären und mobilen Geräten geöffnet werden.

Ein sehr schönes Beispiel eines solchen in LaTeX geschrieben Dokuments ist das äußerst empfehlenswerte Buch von Gareth James, Daniela Witten, Trevor Hastie und Robert Tibshirani (2013), An Introduction to Statistical Learning: with Applications in R, New York: Springer.

Sowohl das Inhaltsverzeichnis,

Ein klassisch in LaTeX generiertes Inhaltsverzeichnis.

als auch eine klassische Seite inklusive Grafiken und Querverweisen lassen erahnen, welches Potential in LaTeX liegt.

Eine klassische, in LaTeX generierte Seite.

... und die Nachteile von LaTeX

Ich will jedoch nicht verschweigen, dass LaTeX auch seine Nachteile hat.

  1. Um in LaTeX ein Dokument zu verfassen, braucht es zumindest ein rudimentäres Verständnis von Programmiersprachen. Das schreckt viele User zu Beginn ab. Fakt ist jedoch, dass man mit maximal zwei Dutzend Befehlen und einer Vorlage ohne größere Probleme eine Vielzahl unterschiedlichster Texte verfassen kann.
  2. Sollte man darauf angewiesen sein, Texte gemeinsam mit anderen zu verfassen, kann LaTeX zur Herausforderung werden. Wenn diese Kollegen nämlich kein LaTeX verwenden, sondern zB Word, ist das Verfassen eines Textes in einem Dokument nahezu unmöglich. Der Output von LaTeX ist ein PDF, das nicht so ohne weiteres in ein Word-Dokument umgewandelt werden kann. Der umgekehrte Weg, nämlich aus einem Word-Dokument ein LaTeX-Dokument zu machen, ist ebenso aufwendig und zeitintensiv.
  3. Dieses Problem stellt sich auch, wenn Journals oder Auftraggeber als Endprodukt ein Word-Dokument fordern. In diesem Fall muss man nach Lösungen suchen, das fertige PDF in ein Word-Dokument umzuwandeln. Dazu gibt es Programme (zB von Adobe). In gewissen Microsoft-Word Versionen (zumindest auf Windows) ist das Abspeichern von PDFs als Word-Dokumente zudem auch möglich.

Es lohnt sich

Auch wenn die soeben angeführten Nachteile nicht unerwähnt bleiben dürfen und für den einen oder andere zu einem Ausschlusskriterium für LaTeX werden, bin ich trotzdem davon überzeugt, dass Verfasser wissenschaftlicher Texte enorm von LaTeX profitieren. Vor allem dann, dann es um lange und komplexe Dokumente mit vielen Grafiken, Tabellen und Literaturverweisen geht, führt in meinen Augen kein Weg an LaTeX vorbei, wie diese Grafik hier verdeutlicht.

LaTeX vs. Microsoft Word

Sollte ich jetzt die Neugier auf LaTeX geweckt haben, so empfehle ich auch den folgenden Beitrag zu lesen. Hier zeige ich, wie man LaTeX installiert und wie man die ersten Schritte macht.